Gigathon 2010.... Eindrücke, Emmotionen und Geschichten
Gut vorbereitet und motiviert reiste ich am Freitag, zusammen mit meinen treuen Helfern, nach Thun! Die Wetteraussichten liessen ein heisses Wochenende erwarten.... Herzlich aufgenommen von der Familie Kräuchi bezogen wir unsere Unterkunft und richteten das Material für die kommenden Wettkampftage! Mein Team war bereit, ich war bereit, der Stimmungungsbarrometer stand auf GIGATHLON !!
Rising Saturday
Mit den Inlines begann um 05.00 Uhr, bei anbrechender Dämmerung, der Gigathlon 2010! Schnell bildete sich eine Spitzengruppe aus drei Couple-Athletet, Sämi Hürzeler und mir. Geschlossen fuhren wir in Langnau ein. Sämi drücke im ersten Aufstieg gleich aufs Tempo und ich liess ihn einige hundert Meter ziehen, jedoch immer in Sichtweite. Kurz vor dem Kulminationspunkt des ersten Aufstieges schloss ich zu ihm auf und gemeinsam stachen wir in die Abfahrt. Auch der zweite Anstieg bewältigten wir gemeinsam. Im kurzen, technischen Teil der Abfahrt riskierte ich etwas mehr und konnte alles fahren, damit distanzierte ich Sämi etwas und konnte zu zwei Couplefahrern aufschliessen, welche mir in der folgenden Abfahrt etwas Windschatten gewährten.
Der Wechsel aufs Rennvelo verlief reibungslos und in Führung liegend nahm ich die anspruchsvolle Strecke nach Lungern unter die Rädern. Den Couple-Teams, welche mich auf der Bikestrecke unterstützten konnte ich nun etwas zurück geben, indem sich die zwei Rennvelo-Ladys in meinem Windschatten durchs Emmental chauffieren liessen:-) Die Beine drehten gut! Im Aufstieg nach Sörenberg setzten aber unverhofft Probleme ein... Mein Schnellspanner am Hinterrad war offensichtlich nicht in der Lage, meinen Druck auf die Kette zu halten... Das Hinterrad verschob sich mehrfach und streifte am Rahmen. Bis zur Passhöhe musse ich doch 5 mal vom Rad steigen und das Hinterrad richten... Nerven behalten war das Motto... Das Problem konnte durch meine Betreuer zum Glück in der Wechselzone von Lungern behoben werden.
Die Sonne brannte vom Himmel, in Erwartung auf eine Abkühlung freute ich mich aufs Schwimmen!! Der See war aber nicht gerade kühl, und zusammen mit den Sonnenstrahlen auf meinen Neopren-Rücken empfand ich das Schwimmen eher als einen Saunagang :-) Zudem wurde das Verlangen nach Getränken beim Schwimmen so gross, dass ich mehrfach etwas See-Wasser trank:-)! Abgesehen davon verlief das Schwimmen super, ich konnte sogar etwas regenerieren! Leider war ich nach wie vor alleine an der Spitze, was auch bedeutet, dass ich den zweiten Rennveloabschnitt im Gegenwind, dem Brienzersee entlang, bis nach Interlaken ohne Hilfe bewältigen musste. Meine Hoffnung, dass die ersten Mannschaften mich langsam einholen sollten, traf leider nicht ein... Trotz guten Beinen verlor ich auf diesen kurzen 37 km fast 6 Minuten auf meine Verfolger, welche gemeinsam unterwegs waren.
Die Sonne drückte erbarmungslos, es war ca. 13.00 Uhr, als ich auf dem Flughafen in Interlaken die Laufschuhe schnüren durfte! 31 km mit 900 Hm standen mir in dieser Bruthitze bevor... Die ersten 9 flachen Kilometer liefen super, ich hatte guete Beine und war noch sehr zuversichtlich... Im ständigen Auf und Ab dem Thunersee entlang schwanden meine Kräfte aber mehr und mehr! Ich lechzte nach Wasser, nach Abkühlung, nach allem, was ich zu mir nehmen konnte! Und im Moment meiner grössten Kriese passierte mich bei Kilometer 20 Marc Pschebizin und kurz darauf Sämi Hürzeler. Mir war es nicht mehr möglich zu rennen, ich konnte nur noch wankend marschieren! Total erschöpfte und im Kriechgang bewegte ich mich Richtung Thun... Als Rettung erhielt ich einen kühlen Eistee gereicht, zusammen mit der Nahrung konnte ich so etwas regenerieren und wieder mit Joggen beginnen... Aber der ca. 15 minütige Marsch beschehrte mir doch einen grösseren Rückstand auf die Spitze. Im Ziel war ich aber nur froh, überhaupt angekommen zu sein! Es gab Momente, da habe ich nicht mehr daran geglaubt... An dritter Stelle liegend, mit Rückständen von ca. 16, bzw. 12 Minuten auf Marc und Sämi versuchte ich, mich etwas zu erholen, meine Muskeln zu kühlen, gut essen und trinken und vorzubereiten auf den nächsten Tag! Ich bin mir einiges gewöhnt, aber einen solchen Hitzetag habe ich noch nie erlebt!
Shining Sunday
Aufgrund des starken Gewitters vom Vortag wurde der Schwimmstart von 0500 auf 0600 Uhr verschoben und anstelle eines Jagdstartes ein Massenstart praktiziert!
Das bedeutet, um 0400 Uhr aufstehen... aufstehen, dies ist wohl an einem solchen Gigathlon-Weekend die schrecklichste Erfahrung !! Ahhh, bin ich nicht erst vor 5 Minuten eingeschlafen? Und wer hat mir solch schmerzende Beine montiert? Und was soll ich, heute nochmals 11 Stunden Gigathlon betreiben... Und dies ist nur ein kleiner und jugendfreier Ausschnitt aus den Gedanken, welche einem da begleiten!
Vom ersten Zug im Wasser hatte ich ein super Gefühl! Ich fand auch gleich ein schnelles paar Füsse, an welche ich mich heftet und bis zum Schwimmausstieg nicht mehr ziehen liess:-) Danke der unbekannten Schwimmerin, welche mich so schön durchs Wasser zog! Fazit: Ich konnte bereits 4 Minuten und mehr auf meine Konkurrenten gut machen... Das Rennen war eröffnet! Die ersten flachen Kilometern konnte ich noch mit der Inlinerin des führenden Teams absolvieren, aber im ersten Aufstieg konnte diese das Tempo nicht mehr mitgehen und dies war der Start zu einem langen Solo-Tag! Das Inlinen lief super, obwohl meine Oberschenkel mir schon zu verstehen gaben, dass sie etwas müde seien!! Beim Wechsel auf die lange Rennvelostrecke hatte ich meinen Rückstand vom Vortag schon beinahe wett gemacht... Auf dem langen Weg via Bulle und Jaunpass wurde ich leider lediglich vom Wind begleitet.. Und dies meistens von der Front! 130 Kilometer können so verdammt lange werden! Vor allem wenn man hört, dass sich die Verfolger in einem 6er-Pack die Führungsarbeit teilen... Auf dem Jaunpass spürte ich eine kleine Ermüdung welche mich spontan dazu bewog, dem Kiosk kurz einen Besuch abzustatten und eine Cola zu kaufen!! Kühl, frisch, prikelnd... einfach ein Genuss!!! Beim Wechsel aufs Bike hatte ich noch ca. 10 Minuten Vorsprung auf meine Verfolger, die Spannung blieb erhalten. Langsam zeigten sich Ermüdungserscheinungen, die Beine drehten nicht mehr so locker und die Sonne brannte vom Himmel! Und dann erschütterte ein Knall das Simmental! Die hinter mir fahrende Petra Henzi hat wohl seit gestern einen Tinitus :-) Das Resultat: Mein Pneu verabschiedete sich von meiner Vorderrad-Felge! Mechaniker-Künste und ein neuer Schlauch war gefragt! Zum Glück konnte ich das Problem beheben und mein Rennen fortsetzen! Auf den letzten flächeren Kilometern erholt sich mein Körper etwas und beim Wechsel in Spiez war ich bereit, auf den abschliessenden 19 Laufkilometern nochmals alles zu geben! Mein Vorsprung auf den starken Läufer Marc war zu gering, um noch an den Gesammtsieg zu glauben, aber einen Tageserfolg wollte ich noch realisieren! Ich lief, wie ich wohl noch nie in einem Wettkampf gelaufen bin! Nach diesen zwei harten Tagen und der Hitze konnte ich auf den flachen Streckenabschnitten noch 14km/h laufen (Urban, danke für diese Info:-) )! Bewusst liess ich mich nicht mehr über meinen Vorsprung informieren, ich wollte einfach alles geben und dann im Ziel schauen, zu was diese Leistung reichte. Mit letzter Kraft, getragen von den Zuschauern, lief ich durchs Ziel! Unglaubliche zwei Tage lagen hinter mir !!
Zum Sieg hat es nicht mehr gereicht, Marc Pschebizin hatte zwei solide und gute Tage und ich gratuliere ihm zu seinem Erfolg! Ich bin mit meinem zweiten Platz sehr zufrieden, habe einen guten Wettkampf gezeigt, schöne Eindrücke aus dem Berner Oberland gespeichert und schaue auf einen interessanten Gigathlon 2010 zurück!
Danke
Das Abenteuer Gigathlon ist alleine nicht zu bewältigen, es braucht Unterstützung auf breiter Front! Îch möchte mich bedanken bei....
Nicci, Papi, Lenggi und Gufli, ihr habt mich diese Tage mehr als nur Supportet, ihr habt mir meine Wünsche von den Augen abgelesen, mein Material bereitgestellt, viel Stunden in den Wechselzonen auf mich gewartet und habt immer an mich geglaubt, ihr seid die besten Supporter der Welt!
Ändle und Michu Kräuchi, welche uns beherbergt haben und uns ihr Haus für drei Tage benützen liessen! Danke, wir haben uns wie zu Hause gefühlt!
Meinen treuen Sponsoren und Ausrüstern, welche mich teils seit Jahren unterstützen und mir dieses Abenteuer ermöglichten.
Allen, welche mir die Daumen drückten, mich am Streckenrand lauthals unterstützen und mich motivierten.
Links
Rangliste: http://event.swissolympic.ch/zva/results.aspx?categoryID=61&eventID=22&lang=de
SF-Bericht: http://videoportal.sf.tv/video?id=145cb2f3-4194-4f0a-8dcc-a6e0f5eb56d4
